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Bärbel Redlich vor 6 Jahren, 1 Monat
Von der Infektion in den Infarkt? Die Messelandschaft in der Schweiz 2020
Pressemitteilung von: BRed-Content / PR Agentur: BRed-Content
Gerade läuft in Düsseldorf der Caravan Salon an. Im Boomjahr für Camping und Gegenprogrammen zum sonst so beliebten Pauschalurlaub, nehmen Aussteller und Messeveranstalter starke Einschränkungen in Kauf, um die Messe als Präsenzveranstaltung anzubieten. Neben den üblichen Hygienemaßnahmen ist der Zugang für Besucher reglementiert: Statt der zu erwartenden 40.000 Gäste bekommen nur 20.000 Besucher Zugang zu den Ausstellungshallen, zu Reisemobilen und Zubehör.
Fast gleichzeitig ereilt uns die Nachricht, dass die Frankfurter Buchmesse wenige Wochen vor der geplanten Eröffnung nun doch abgesagt wird. Zu hoch die Auflagen für Veranstalter, die aus dem Ausland einreisen. Mehrtägige Quarantäne lässt die Kosten explodieren. Wirtschaftlich ein herber Verlust für die Stadt Frankfurt, für Autoren und Verlage, doch auch die Kultur leidet, wenn in diesem Jahr keine der beiden deutschen Buchmessen stattfinden: Im Frühjahr wurde bereits die Leipziger Buchmesse abgesagt.
Für uns Grund genug, einen Blick über die Grenzen des weltweit wichtigen Messeschauplatzes Deutschland ins europäische Ausland zu werfen. Peter Plan, Managing Director von event-ex, beantwortet PR-Marketing Fragen zur aktuellen Situation der Messeveranstalter in der Schweiz.
Frage: Herr Plan, vielen Dank, dass Sie sich uns für dieses Interview zur Verfügung stellen und Einblick in ihre aktuelle Situation von Messe in die Schweiz bieten. Wie schätzen Sie die Situation der Schweizer Messewirtschaft vor Ausbruch der Pandemie ein?
Antwort: Gesund, soweit man dies in einem Verdrängungsmarkt benennen darf. Neben den dominanten Messeplätzen Zürich, Basel, Bern, Genf hatten auch unabhängige Messe-Organisationen wie wir, ihre Berechtigung. Messen wurden seit jeher geschätzt und auch verdammt. Je nach aktueller Marktlage und Image. Als messeplatz-unabhängige Agentur waren unsere Chancen recht intakt. Nach 10 Jahren als http://www.event-ex.ch haben wir uns einen gewissen Respekt in der Branche erarbeitet, auch gegenüber den Messeplätzen. Bei Themen wie Tourismus, Food Expo oder Denkmalpflege/Museen hatten wir unsere Markt-Position, wenn auch in diesen Bereichen mit dünnen Margen.
Frage: Bis heute ist nicht erkennbar, wann wieder Grossveranstaltungen mit hoher Besucherzahl stattfinden. Wie reagieren Veranstalter darauf?
Antwort: Bis heute sind die Reaktionen: Hilflosigkeit und Staunen. Langsam versuchen die ersten Veranstalter, gegen Ende Jahr oder Anfang 2021 wieder Fuss zu fassen. Jeder redet von erarbeiteten Schutzkonzepten, aber die Frage ist vor allem, ob Besucher wieder in Hallen zu bewegen sind. Dabei gibt es sicher einen Unterschied, ob es sich um Fachmessen (einfacher eine Community zu „bewegen“) oder Publikumsmessen (hohes Risiko) handelt und ob es sich um Dienstleistungen, Maschinen oder eben (in unserem Fall) Lebensmittel handelt.
Frage: Welche Fragen oder Anregungen erhalten Sie von Ausstellern?
Antwort: Gewisse Branchen hoffen auf den Versuch der Veranstalter, baldmöglichst wieder loszulegen, weil ihnen dieses Marketing-Instrument fehlt. Aber sie sind kaum bereit, die Risiken (kommen genügend Aussteller und vor allem genügend Besucher?) und die Mehrkosten (Schutzkonzept) mitzutragen. Man geht wohl aber davon aus, dass die Schutzkonzepte durchdacht sind. Müssen sie auch, da momentan Messen kantonal bewilligt werden müssen.
Es gibt auch die andere Seite, dass viele Firmen momentan gar nicht über das Thema Messebeteiligung sprechen wollen. Viele gehen auch davon aus, dass es uns als Veranstalter bald nicht mehr gibt.Frage: Die meisten Messen in der Schweiz bis Anfang 2021 sind abgesagt. Glauben Sie, dass eine Rückkehr zur Normalität möglich ist und wie wird diese neue Normalität aussehen?
Antwort: Wie in vielen anderen Bereichen, wird nichts mehr so funktionieren wie vor Corona. Zukünftig müssen die Besucherdaten (auch bei Publikumsveranstaltungen) erfasst werden, Massen dürfen nicht mehr gebildet werden, Abstände (= mehr benötigte Bruttoflächen) werden relevant und die Kosten steigen in die Höhe für Veranstalter und Aussteller. Es werden auch nicht alle Veranstalter und Messeplätze überleben. Wir gehen davon aus, dass im ersten Halbjahr 2021 Messen erst noch zögerlich veranstaltet werden. Auch für uns wird evtl. nicht mehr reichen zur Rettung.
Frage: Was kann die Messewirtschaft trotz drohender Infektionsgefahr aus Ihrer Sicht beleben?Antwort: Die Lust, wieder real und face-to-face Menschen zu treffen, Fragen zu stellen, Gesichter zu sehen, Netzwerke zu pflegen – der Mensch wird immer den Menschen treffen wollen.
Frage: Wie werden sich die Messen zukünftig verändern? Wird es nebst hybriden oder Online-Ansätzen noch andere Formen geben, an die wir heute noch gar nicht denken?
Antwort: Es hat schon vor der Krise und das seit über 10 Jahren hybride Messen gegeben. Die Verknüpfung vor/nach der Messe mit dem Aussteller ist seit Jahren ein grosses Thema. Dazu könnte ich ein Buch schreiben, ich habe dieses Thema auch viele Jahre doziert. Schlussendlich geht es vor allem darum, wie ernst man das Marketinginstrument „Messen“ anschaut. Erfolg hat nur, wer sich gut vorbereitet und nachbearbeitet. Das hat sich in meinen 20 Jahren Erfahrungen nie geändert.
Frage: Welche Bestrebungen beobachten Sie in der Schweiz in puncto Auflagen und Hygienekonzepte?
Antwort: Momentan herrscht noch Ratlosigkeit, auch wenn das nur wenige zugeben. Die Auflagen ändern wöchentlich und solange wir keine Stabilität und Sicherheit zum Thema Corona verzeichnen, wird die Planbarkeit schwer bleiben. Man hat vor der Krise von einem Minimum von 1,5 Jahren Vorbereitung (als Veranstalter) für eine Messe gesprochen – heute muss das in einem halben Jahr möglich sein.
Frage: Sie werden mit Ihrer Agentur Event-Ex im Frühling eine Food-Messe veranstalten. Sie bleiben somit optimistisch, das gibt Hoffnung. Haben Sie einen Plan B oder wie können Sie das Risiko minimieren, sollte die Messe wegen einem erneuten Lockdown abgesagt werden müssen?
Antwort: Wir waren bis vor ein paar Tagen zuversichtlich und haben die ersten Vorbereitungen getroffen für eine Veranstaltung namens „MARKT550“. Wir wären eine der ersten Publikumsmessen in der neuen http://www.halle550.ch. Die Location hilft uns preislich. Schlussendlich müssen wir ohne Risiko (aber auch ohne dass wir Einnahmen zu unserem Überleben generieren) auch 1 Monate vorher absagen können. Das gleiche gilt für unsere Partner in Standbau, Technik, Ticketing. Natürlich müssten wir den Ausstellern ebenfalls jederzeit Ihr Geld zurückzahlen können. Nur, wie soll das funktionieren? Wir müssten auch die Medien im Besuchermarketing in diesen Prozessreigen einschliessen – das ist momentan unrealistisch. Wir verlieren an Lust, wenn wir das Risiko realisieren, dass z.B. Messeplätze oder Medien Ihr Geld kassieren und behalten, wir aber leer ausgehen oder sogar noch Unkosten cash decken müssen.
Frage: Welche Folgen erwarten Sie bei anhaltenden Einschränkungen für die Wirtschaft der Schweiz und weltweit?
Antwort: Wir steuern so oder so in die grösste Rezession, die unsere Generation erlebt hat oder erleben wird. Die Arbeitslosigkeit wird bis Mitte nächsten Jahres enorm ansteigen, der Konsum wird ebenso gedrosselt und jeder wird den Franken mehr als 2x umdrehen, privat wie geschäftlich.
Frage: Wie stark mussten Sie sich neu erfinden als Agentur und mit den Services, die Sie anbieten?
Antwort: Wir müssen uns als kleine Agentur von unseren Klumpenrisiken „Messen“ lösen und dies nicht mehr als Hauptgeschäft betreiben. Unsere Liquidität neigt sich dem Ende zu.
Insofern gründen wir gerade eine neue Kommunikationsagentur mit neuen Partnern aus Grafik und Text. Wir müssen den Hut „Event-/Messe-Veranstalter“ loswerden, um auch als Kommunikationsagentur akzeptiert zu werden. Als „brand-supporter“ werden wir in den uns bekannten Branchen, wo wir akzeptiert sind und man uns als innovative und dynamische Agentur kennt, weiterentwickeln. Wir sind zwar nicht „jung & wild“ aber „alt & wild“. Mit „alt“ meinen wir unsere Erfahrung als Marketer, Unternehmer und Erfinder.Frage: Denken Sie, dass online PR und Präsenz gerade für kleine Aussteller in Zukunft wichtig sein wird, um auf sich aufmerksam zu machen und qualifizierte, nachhaltige Leads zu gewinnen?
Antwort: Die kleinen Unternehmen können sich vielleicht noch nicht vorstellen, was und wie das erfolgreich für sie ausgehen soll. Das ist auch eine Chance.
Vielen Dank.
Für Veranstalter, Aussteller und Messegäste bleibt die Situation in der Schweiz so schwer einzuschätzen wie in Deutschland. Findet die Messe statt oder führen coronabedingte Einschränkungen kurzfristig zu neuen Absagen? Was fehlt, sind neue Konzepte, die sichere Messen mit Publikum ermöglichen, egal, wo es sich aufhält: Hybrid-Messen!
Mit PR-Marketing https://pr-marketing.events erhalten Aussteller die Chance, sich dem Messegast online und offline zu präsentieren: Live vor Ort mit den wenigen Gästen, die eine Eintrittskarte aus dem vorsorglich verknappten Kontingent erhalten sowie parallel dazu digital mit virtuellem Messeplatz und direkter Kundenkommunikation vor, während und nach der Messe.
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